Werkstoffe

PETG

Amorpher Copolyester auf PET-Basis. Zäh, transparent und chemikalienbeständig, leicht zu drucken und zu thermoformen, einsetzbar bis etwa 60 bis 65 °C.

Was ist PETG?

PETG (glykolmodifiziertes Polyethylenterephthalat, englisch glycol-modified PET) ist ein amorpher thermoplastischer Copolyester. Er basiert auf PET, das man von Getränkeflaschen kennt, doch ein Teil des Ethylenglykols in der Kette ist durch Cyclohexandimethanol (CHDM) ersetzt. Das verhindert die Kristallisation, sodass der Werkstoff auch in dickeren Wänden transparent bleibt, zäher ist und sich leichter warmumformen lässt als gewöhnliches PET.

Die Glasübergangstemperatur liegt bei etwa 80 °C, die HDT meist bei 65 bis 70 °C, für belastete Teile rechnet man daher mit etwa 60 °C. Der Zug-E-Modul beträgt etwa 2 GPa, die Zugfestigkeit etwa 50 MPa, die Dichte rund 1,27 g/cm³. Die Bruchdehnung ist hoch: Bei Überlast biegt sich ein Teil eher, als dass es spröde bricht. PETG ist beständig gegen Wasser, verdünnte Säuren und Laugen sowie viele Öle und Fette, weniger gut verträgt es Ketone und chlorierte oder aromatische Lösemittel. Es gibt Typen mit Zulassung für den Lebensmittelkontakt und für medizinische Verpackungen.

Industriell wird PETG vor allem zu Platten und Folien extrudiert, die anschließend thermogeformt werden (Verpackungen, Blister, Displays, Schutzschilde), und im Spritzguss verarbeitet. PETG-Platten lassen sich bei niedrigeren Temperaturen als Polycarbonat warmumformen, meist ohne Vortrocknung, und gut sägen und bohren. Gegenüber Polycarbonat ist PETG günstiger, hat aber eine geringere Wärmeformbeständigkeit und Schlagzähigkeit. Gegenüber PMMA (Acrylglas) ist es zäher, jedoch weicher und kratzempfindlicher.

Im FDM-Druck wird PETG typischerweise mit 230 bis 250 °C an der Düse und 70 bis 90 °C am Druckbett verarbeitet. Es schwindet weniger als ABS, braucht meist keinen geschlossenen Bauraum und haftet sehr gut zwischen den Schichten. Deshalb ist es eine häufige Wahl für funktionale FDM-Teile, wenn PLA thermisch oder in der Zähigkeit nicht ausreicht und der Druck mit ABS unnötig aufwendig wäre.

Wann es sinnvoll ist

Wählen Sie PETG für Funktionsprototypen und FDM-Teile, die zäher als PLA sein und Temperaturen bis etwa 60 °C aushalten sollen: Halter, Abdeckungen, Elektronikgehäuse, Kabeldurchführungen, Vorrichtungen und Geräteteile in Werkstatt oder Innenraum. PETG passt auch für Teile in feuchter Umgebung oder mit Wasserkontakt, für transluzente Abdeckungen und Lichtleiter ohne hohe optische Anforderungen und für Teile mit Federelementen, die aus PLA brechen würden.

Als Plattenware ist PETG ein praktischer Werkstoff für Schutzabdeckungen, Trennwände, transparente Deckel von Vorrichtungen, Verpackungen und vakuumgeformte Teile in kleineren Serien. Muss das Teil höhere Temperaturen, starke Stöße oder Brandschutzanforderungen aushalten, vergleichen Sie es mit Polycarbonat, ASA oder PC/ABS.

Worauf Sie achten sollten

PETG ist hygroskopisch. Feuchtes Filament blubbert beim Druck und zieht Fäden (Stringing), die Teile haben eine schlechtere Oberfläche und Festigkeit. Trocknen Sie es daher vor dem Druck und lagern Sie es trocken. Auf glatten PEI-Druckplatten oder Glas kann PETG so stark haften, dass es beim Ablösen einen Teil der Plattenoberfläche herausreißt, empfehlenswert ist deshalb eine Trennschicht. Aus transparentem Filament entstehen nur transluzente Teile, glasklare Teile erfordern Platten, Spritzguss oder ein poliertes, spanend gefertigtes Teil.

Verwechseln Sie PETG in der Anfrage nicht mit PET oder verwandten Copolyestern (etwa PCTG), die ähnlich heißen, aber andere Eigenschaften haben. Rechnen Sie bei dauerbelasteten Teilen mit Kriechen bei erhöhter Temperatur und im Außeneinsatz mit der begrenzten UV-Beständigkeit der Standardtypen. Für den dauerhaften Außeneinsatz wählen Sie einen UV-stabilisierten Typ oder ASA.

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