Werkstoffe

POM (Polyoxymethylen)

Teilkristalliner technischer Kunststoff: steif, reibungsarm, kaum Wasseraufnahme. Gut zerspanbar, für Zahnräder, Gleitbuchsen und Präzisionsteile.

Was ist POM (Polyoxymethylen)?

POM (Polyoxymethylen, auch Polyacetal, englisch acetal) ist ein teilkristalliner Thermoplast aus der Gruppe der technischen Kunststoffe. Er verbindet hohe Steifigkeit und Festigkeit mit einem niedrigen Reibungskoeffizienten, guter Verschleiß- und Ermüdungsbeständigkeit und sehr geringer Wasseraufnahme. Deshalb ist POM maßhaltiger als die meisten anderen technischen Kunststoffe und gehört zu den am besten zerspanbaren Kunststoffen.

POM gibt es in zwei Varianten. Das Copolymer POM-C ist bei Halbzeugen für die Zerspanung verbreiteter, beständiger gegen heißes Wasser und Laugen und zeigt in dicken Halbzeugen weniger Kernporosität. Das Homopolymer POM-H (bekannt etwa unter dem Handelsnamen Delrin) ist etwas steifer, fester und härter und schmilzt bei höherer Temperatur, bei etwa 175 °C statt rund 165 °C bei POM-C. Neben Natur (weiß) und Schwarz gibt es glasfaserverstärkte Typen, Typen mit PTFE-Zusatz für geringere Reibung und Typen für den Lebensmittelkontakt.

Richtwerte für unverstärktes POM: Dichte etwa 1,4 g/cm³, Zugfestigkeit meist 60 bis 75 MPa, E-Modul 2,6 bis 3,2 GPa und Dauergebrauchstemperatur in der Größenordnung von 90 bis 100 °C. Die Wasseraufnahme im Normalklima liegt bei etwa 0,2 %, bei Polyamid PA6 sind es mehrere Prozent. Die Wärmeausdehnung beträgt rund 100 bis 120 µm/(m·K), also etwa das Zehnfache von Stahl.

Verarbeitet wird POM vor allem durch Spritzgießen und durch Zerspanen von Halbzeugen (Platten, Rundstäbe und Rohre). Beim Spritzgießen ist die Schwindung mit rund 2 % hoch, das Spritzgusswerkzeug muss sie berücksichtigen. Im 3D-Druck lässt sich POM nur schwer verarbeiten, weil es sich verzieht und schlecht auf dem Druckbett haftet. Prototypen aus POM werden deshalb meist gefräst oder gedreht.

Wann es sinnvoll ist

Wählen Sie POM für bewegte und präzise mechanische Teile, die trocken oder mit minimaler Schmierung laufen: Zahnräder, Gleitbuchsen, Führungen, Laufrollen, Nocken, Schnapphaken und Federelemente, Pumpen- und Ventilteile oder Spann- und Messvorrichtungen. Es eignet sich auch für Teile, die mit Wasser, Kraftstoffen oder Ölen in Berührung kommen und dabei ihre Maße halten müssen.

Im Vergleich zu Polyamid ist POM maßstabiler, lässt sich leichter auf genaue Maße zerspanen und hat im Trockenlauf eine geringere Reibung. Polyamid ist dagegen zäher und verträgt Stöße und höhere Temperaturen besser. Für abrasive Umgebungen und große Gleitflächen ist oft PE-UHMW besser geeignet, für Temperaturen über 100 °C oder aggressive Chemikalien zum Beispiel PEEK, das allerdings deutlich teurer ist.

Worauf Sie achten sollten

POM ist wenig beständig gegen starke Säuren, Oxidationsmittel und Chlor (Desinfektionsmittel, gechlortes Wasser) und ohne Stabilisierung auch gegen UV-Strahlung. Kleben ist sehr schwierig, planen Sie Verbindungen deshalb als Schraub-, Press- oder Schnappverbindungen. Bei Überhitzung der Schmelze zersetzt sich POM und setzt Formaldehyd frei, worauf die Spritzgießerei achten muss.

Wegen der großen Wärmeausdehnung sind Toleranzen im Hundertstelbereich nur bei definierter Temperatur sinnvoll: Ein 100 mm langes Teil wird bei 10 °C Erwärmung um etwa 0,1 mm länger. Zerspante Teile können sich verziehen, wenn sich Eigenspannungen aus dem Halbzeug lösen. Verwenden Sie für dünnwandige und lange Teile deshalb spannungsarme Halbzeuge und tragen Sie das Material gleichmäßig von beiden Seiten ab. Geben Sie in der Anfrage die Variante (POM-C oder POM-H), die Farbe und gegebenenfalls Anforderungen an Lebensmittelkontakt oder ein Materialzeugnis an.

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