Gussteil
Bauteil aus flüssigem Metall, das in einer Sand-, Metall- oder Keramikform erstarrt. Für komplexe Formen und Serien, Funktionsflächen werden bearbeitet.
Was ist ein Gussteil?
Ein Gussteil ist ein Bauteil, das durch Gießen hergestellt wird: Flüssiges Metall (meist Gusseisen, Aluminiumlegierungen, Stahl oder Messing) wird in eine Form gegossen oder unter Druck eingespritzt und erstarrt dort in der gewünschten Gestalt. Nach DIN 8580 zählt das Gießen zur Hauptgruppe Urformen. Es gehört zu den ältesten Fertigungsverfahren und ist bis heute wirtschaftlich für komplex geformte Teile oder große Serien.
Zu den Gießverfahren für Metalle gehören der Sandguss (große Teile, kleine Serien, günstige Formen), der Druckguss (Aluminium- und Zinkteile, etwa für die Automobilindustrie, große Serien), der Feinguss im Wachsausschmelzverfahren (komplexe Formen mit hoher Genauigkeit) und der Kokillenguss, bei dem die Schmelze durch Schwerkraft in metallische Dauerformen fließt. Die Wahl des Verfahrens hängt von Losgröße, Genauigkeit, Werkstoff und Geometrie ab.
Gussteile stellen besondere Anforderungen an die Konstruktion: Entformungsschrägen, damit sich das Teil aus der Form lösen lässt, gleichmäßige Wandstärken für eine gleichmäßige Erstarrung und eine sinnvolle Lage von Anschnitt, Speisern und Entlüftung. Werden diese Regeln missachtet, entstehen Gussfehler (Lunker, Mikrolunker, Porosität) oder Teile, die sich gar nicht gießen lassen.
Im Vergleich zu CNC-bearbeiteten Teilen haben Gussteile ohne Nachbearbeitung eine geringere Maßgenauigkeit, ermöglichen aber komplexe Innenformen und sind in der Serie wirtschaftlich. Üblich ist deshalb die Kombination aus Rohgussteil und präziser Bearbeitung der Funktionsflächen.
Wann es sinnvoll ist
Ein Gussteil lohnt sich bei Metallteilen mit komplexer Form, inneren Hohlräumen oder Verrippungen, die aus dem Vollen nur mit viel Zerspanungsabfall zu fertigen wären: Getriebe- und Pumpengehäuse, Ventilkörper, Flansche, Konsolen, Abdeckungen und Rahmen. Druckguss eignet sich für Aluminiumteile in Serien von mehreren tausend Stück, Sandguss für größere Teile in kleinen Serien.
Um die Gestalt des Teils abzusichern, bevor die Form gebaut wird, verwendet man aus dem Vollen gefräste Prototypen oder Gussteile, die mit 3D-gedruckten Sandformen oder Modellen gegossen werden.
Worauf Sie achten sollten
Ein Gussteil kommt selten ohne Bearbeitung der Funktionsflächen aus. Unterscheiden Sie deshalb in der Zeichnung zwischen Rohflächen und bearbeiteten Flächen, geben Sie Bearbeitungszugaben vor und legen Sie Bezugsstellen für die erste Aufspannung am Rohgussteil fest. Die mechanischen Eigenschaften eines Gussteils sind geringer und weniger gleichmäßig als bei Knetwerkstoffen. Porosität kann bei druckbeaufschlagten Teilen zu Undichtigkeiten führen oder erst nach der Bearbeitung zum Vorschein kommen.
Fragen Sie die Gießerei nach erreichbaren Toleranzen und Bearbeitungszugaben (DIN EN ISO 8062), nach Preis und Eigentum der Modelleinrichtung oder Form, nach der Mindestlosgröße und nach der Prüfung auf innere Fehler (Röntgenprüfung, Druckprüfung). Stimmen Sie die Konstruktion am besten noch vor ihrem Abschluss mit der Gießerei ab.
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