Technische Zeichnung
Zeichnung eines einzelnen Bauteils mit allen Angaben für Fertigung und Prüfung: Form, Maße, Toleranzen, Rauheit, Werkstoff und Oberflächenbehandlung.
Was ist eine technische Zeichnung?
Eine technische Zeichnung, genauer eine Fertigungs- oder Einzelteilzeichnung, ist die Zeichnung eines einzelnen Bauteils mit allen Angaben für seine Fertigung und Prüfung: Form in Normalprojektion, Maße, Toleranzen, Oberflächenanforderungen, Werkstoff und Lieferzustand. Im Englischen heißt sie technical drawing, detail drawing oder manufacturing drawing. Anders als die Zusammenbauzeichnung, die das Zusammenspiel der Teile zeigt, beschreibt sie immer nur ein Teil, so eindeutig, dass jeder Fertiger es danach herstellen und prüfen kann.
Sie besteht aus Ansichten, Schnitten und Einzelheiten (in Europa üblicherweise nach Projektionsmethode 1, in den USA nach Projektionsmethode 3), aus Maßen mit Toleranzen, aus Form- und Lagetoleranzen mit ihren Bezügen und aus Angaben zur Oberflächenrauheit, zum Beispiel Ra 1,6 µm an Anlageflächen. Anforderungen wie Wärmebehandlung, Oberflächenbehandlung oder Kantenzustand stehen als Text auf dem Blatt. Fester Bestandteil ist das Schriftfeld mit Zeichnungsnummer, Benennung, Werkstoff (etwa EN AW-6082-T6 oder 1.4301), Maßstab, Verweis auf die Allgemeintoleranzen und Änderungsstand.
Die Regeln vereinheitlichen ISO-Normen, in Deutschland größtenteils als DIN EN ISO oder DIN ISO übernommen: ISO 128 (Darstellung), ISO 129-1 (Bemaßung), ISO 5457 (Blattformate) und ISO 7200 (Schriftfeld). Form- und Lagetoleranzen werden nach ISO 1101 eingetragen. Maße ohne eigene Toleranzangabe decken die Allgemeintoleranzen ab, meist nach ISO 2768 (DIN ISO 2768-1), bei spanend bearbeiteten Teilen üblicherweise Toleranzklasse m (mittel).
Heute wird die Zeichnung meist aus dem 3D-CAD-Modell abgeleitet, sodass die Geometrie beider verknüpft bleibt. Manche Unternehmen gehen zur modellbasierten Definition (MBD) über, bei der die 3D-Daten Toleranzen und Anforderungen direkt tragen (PMI). Im Lieferantenalltag bleibt aber die Zeichnung, meist als PDF, das maßgebliche Dokument für Fertigung, Prüfung und Reklamation.
Wann es sinnvoll ist
Eine technische Zeichnung brauchen Sie für jedes Teil, das ein externer Lieferant fertigt und bei dem es auf Genauigkeit ankommt: spanend bearbeitete Teile, Blechteile mit Biegungen und Gewinden, Schweißkonstruktionen oder Gussteile mit bearbeiteten Flächen. Sie ist Grundlage für das Angebot (der Fertiger erkennt daran die kritischen Maße und den Prüfaufwand), für die Fertigung selbst sowie für Wareneingangsprüfung und Messprotokoll.
Für schnelle Prototypen aus dem 3D-Drucker oder einfache Laserzuschnitte aus Blech genügt oft das 3D-Modell oder eine DXF-Datei mit kurzer Angabe zu Werkstoff und Dicke. Sobald ein Teil aber eine Passung mit anderen Teilen bilden muss, wiederholt mit gleichem Ergebnis gefertigt werden soll oder von verschiedenen Lieferanten kommt, lohnt sich die Zeichnung immer.
Worauf Sie achten sollten
Der häufigste Fehler ist eine unvollständige Zeichnung: Die Allgemeintoleranzen fehlen, der Werkstoff ist nur allgemein angegeben („Aluminium“, „Edelstahl“), Oberflächenbehandlung und Kantenzustand sind nicht vorgeschrieben, und der Fertiger muss raten. Problematisch sind auch Überbemaßungen (dasselbe Maß auf zwei Wegen bestimmt) und Kettenbemaßungen, bei denen sich die Toleranzen aufaddieren. Bemaßen Sie Funktionsmaße von den Bezügen aus, an denen das Teil in der Baugruppe tatsächlich ausgerichtet wird.
Tragen Sie keine Maße ein, die sich nicht messen lassen, und schreiben Sie enge Toleranzen nur dort vor, wo die Funktion sie braucht. Schicken Sie die Zeichnung zusammen mit dem 3D-Modell, vereinbaren Sie mit dem Fertiger, welches Dokument bei Widersprüchen gilt, und achten Sie auf denselben Änderungsstand. Lassen Sie das Symbol der Projektionsmethode im Schriftfeld nicht weg, sonst drohen bei Lieferanten, die an die andere Methode gewöhnt sind, vertauschte Ansichten.
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