Designmodell
Physisches Modell, das Form, Farben und Oberfläche des künftigen Produkts originalgetreu wiedergibt, ohne dessen technische Funktion erfüllen zu müssen.
Was ist ein Designmodell?
Ein Designmodell (auch Anschauungsmodell, Präsentationsmodell oder visueller Prototyp, englisch Visual Prototype oder Appearance Model) ist ein physisches Modell, das das Aussehen des künftigen Produkts originalgetreu wiedergibt: Form, Proportionen, Farben, Glanzgrad und Oberflächenstruktur. Anders als ein Funktionsprototyp muss es keine technische Funktion erfüllen. Meist fehlen innere Mechanik und Elektronik, Tasten, Displays und Verbindungen werden nur nachgebildet.
Im englischsprachigen Raum unterscheidet man den „Looks-like“-Prototyp, der zeigt, wie das Produkt aussehen wird, und den „Works-like“-Prototyp, der prüft, wie es funktionieren wird. Beide Stränge werden parallel entwickelt und in einer späteren Phase zu einem Modell zusammengeführt, das wie das Endprodukt aussieht und auch so funktioniert. So lassen sich Designentscheidungen treffen, ohne auf die fertige Technik zu warten.
Für Designmodelle kommen am häufigsten der SLA-3D-Druck (glatte Oberfläche, feine Details), der PolyJet-3D-Druck (mehrere Farben sowie starre und gummiartige Werkstoffe in einem Druck) und das CNC-Fräsen aus ABS, PMMA oder PU-Modellbauplatten zum Einsatz. Für mehrere identische Exemplare hat sich Vakuumguss in Silikonformen bewährt. Transparente Teile wie Displayfenster und Lichtleiter werden spanend aus PMMA gefertigt und glasklar poliert.
Über den Gesamteindruck entscheidet vor allem die Oberflächenbehandlung: Schleifen, Spachteln, Grundieren und Lackieren im Farbton nach RAL oder Pantone, dazu der gewünschte Glanzgrad, Struktur, Bedruckung und Gravur. Die Handarbeit an einem hochwertigen Modell dauert oft länger als die Fertigung der Teile selbst. Auch die nötige Detailtreue hängt vom Zweck ab: Für eine frühe Beurteilung der Proportionen genügt ein unlackierter Druck, für Fotos und Präsentationen muss das Modell vom Serienprodukt nicht zu unterscheiden sein.
Wann es sinnvoll ist
Ein Designmodell brauchen Sie, wenn über das Aussehen entschieden wird: bei der Auswahl zwischen Designvarianten, bei der Freigabe von Farben und Oberflächen durch Kunden oder Geschäftsleitung, für Fotos und Videos für Kampagnen, Crowdfunding oder den Onlineshop noch vor dem Produktionsstart, für Investorenpräsentationen und Messen. Es eignet sich auch für Nutzertests zu Größe, Griffigkeit und wahrgenommener Qualität, bei denen die innere Funktion keine Rolle spielt.
Bei Produkten, deren Verkaufserfolg stark vom Design abhängt (Unterhaltungselektronik, Handwerkzeuge, medizinische Hilfsmittel, Bedienpanels), entstehen Designmodelle üblicherweise parallel zu Funktionsprototypen, damit Industriedesign und Technik unabhängig voneinander vorankommen.
Worauf Sie achten sollten
Ein perfekt ausgearbeitetes Modell erweckt leicht den Eindruck, das Produkt sei fertig. Geschäftsleitung, Kunde oder Investor erwarten dann einen schnellen Verkaufsstart und exakt dasselbe Aussehen in der Serie. Erklären Sie deshalb vorab, was das Modell prüft und was nicht: Festigkeit, Funktion, Herstellbarkeit und Serienkosten weist es nicht nach.
Das zweite Risiko ist ein Design, das sich nicht fertigen lässt. Scharfe Kanten, fehlende Entformungsschrägen oder sehr dünne Wände sind an einem von Hand bearbeiteten Modell leicht umzusetzen, im Spritzgusswerkzeug aber ein Problem. Auf großen Hochglanzflächen von Spritzgussteilen zeigen sich außerdem Einfallstellen und Bindenähte, die das Modell nicht erkennen lässt. Stimmen Sie das Design mit dem Konstrukteur ab und berücksichtigen Sie die Regeln der fertigungsgerechten Konstruktion (DFM), bevor Sie das Aussehen freigeben.
Geben Sie dem Dienstleister die Referenzfarbtöne (RAL- oder Pantone-Nummer, idealerweise ein physisches Muster), den Glanzgrad und die Struktur vor, und klären Sie, ob das Modell auch die Formtrennlinien des Serienteils nachbilden soll.
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