Reverse Engineering
Verfahren, bei dem die Geometrie eines vorhandenen Teils erfasst und daraus ein CAD-Modell samt Fertigungsunterlagen erstellt wird, meist für Ersatzteile.
Was ist Reverse Engineering?
Reverse Engineering ist ein Verfahren, bei dem Geometrie, Maße und Konstruktionsmerkmale eines physischen Objekts erfasst werden, um daraus ein CAD-Modell und Fertigungsunterlagen zu erstellen. Im Maschinenbau spricht man auch von Nachkonstruktion. Zum Einsatz kommt es vor allem dann, wenn keine Originaldokumentation existiert oder sie nicht verfügbar ist.
Typische Anwendungen sind die Fertigung von Ersatzteilen für ältere Maschinen, deren Hersteller die Produktion eingestellt hat, die Rekonstruktion von Baugruppen ohne Zeichnungen, die Digitalisierung historischer Anlagen oder Werkzeuge, die Änderung und Optimierung bestehender Teile sowie die Erstellung einer Dokumentation, die eine Wiederholfertigung ermöglicht.
In der Praxis kombiniert Reverse Engineering meist das 3D-Scannen (zur Erfassung komplexer Geometrie), die präzise taktile Messung kritischer Maße und konstruktives Urteilsvermögen bei der Auswertung der Messdaten. Ein verschlissenes Teil lässt sich nicht einfach scannen und das Ergebnis übernehmen. Ein erfahrener Konstrukteur muss die ursprüngliche Geometrie von Verschleißspuren unterscheiden.
Als Ergebnis erhalten Sie ein parametrisches CAD-Modell (zum Beispiel in SolidWorks oder im STEP-Format), Fertigungszeichnungen mit Toleranzen und gegebenenfalls eine Stückliste der Baugruppe.
Wann es sinnvoll ist
Reverse Engineering lohnt sich, wenn Sie ein funktionsfähiges oder verschlissenes Teil haben, aber weder Zeichnung noch Modell dazu: ein Ersatzteil für eine Maschine, deren Hersteller nicht mehr existiert, ein Zukaufteil, zu dem der Lieferant keine Unterlagen herausgibt, oder eine eigene ältere Konstruktion, die nur auf Papier vorliegt.
Außerdem wird es genutzt, um neue Konstruktionen an vorhandene Teile anzuschließen (Vorrichtungen, Abdeckungen und Adapter, die exakt auf eine bestehende Geometrie passen müssen), und um Teile zu überarbeiten, die im Betrieb Schwachstellen gezeigt haben.
Worauf Sie achten sollten
Eine gescannte Form ist nicht dasselbe wie die Konstruktionsabsicht. Verschleiß, Verformungen und Fertigungsungenauigkeiten des Originals wandern leicht in das neue Modell. Bei Funktionsflächen (Passungen, Gewinde, Dichtflächen) müssen die Maße deshalb aus Normen oder aus den Gegenstücken abgeleitet und die Toleranzen nach der Funktion neu festgelegt werden, nicht nach dem Messwert.
Klären Sie vorab, welches Ergebnis Sie brauchen: ein Netzmodell (STL) für Visualisierung oder 3D-Druck oder ein parametrisches CAD-Modell mit Zeichnungen für die Fertigung. Der Aufwand unterscheidet sich erheblich. Prüfen Sie außerdem, ob Schutzrechte dem Nachbau entgegenstehen, etwa ein Patent, ein Gebrauchsmuster oder ein eingetragenes Design.
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