Prototyping

Nullserie

Erste begrenzte Charge aus Serienwerkzeugen und Serienprozess, an der vor dem Anlauf der vollen Fertigung Qualität, Prozess und Montage geprüft werden.

Was ist eine Nullserie?

Die Nullserie (auch 0-Serie oder Pilotserie, englisch Pilot Run oder Pre-Series Production) ist die erste begrenzte Charge von Produkten, die mit Serienwerkzeugen, aus Serienmaterial und im Serienprozess gefertigt wird, bevor die volle Serienfertigung anläuft. Anders als Prototypen prüft sie nicht die Konstruktion des Produkts, sondern ob es sich wiederholbar in der geforderten Qualität, Geschwindigkeit und zu den geplanten Kosten herstellen lässt. Die Begriffe variieren je nach Unternehmen und Branche. Mancherorts unterscheidet man die Vorserie, bei der noch nicht alle Prozessschritte unter Serienbedingungen laufen, von der Nullserie, die bereits unter vollständigen Serienbedingungen entsteht.

In der Nullserie wird die gesamte Prozesskette geprüft: Formen und Werkzeuge, Maschineneinstellung und Prozessparameter, Montagevorrichtungen und Arbeitsabläufe, Prüfvorrichtungen und Messmethoden, Verpackung, Logistik und die Qualität der Zukaufteile. Die Teile dienen der Maßprüfung mit Messprotokollen, Funktions- und Lebensdauertests, Zertifizierungsprüfungen und oft auch als Erstmuster für den Kunden oder für Praxistests.

Die Größe der Nullserie richtet sich danach, was geprüft werden muss. Sie liegt meist zwischen einigen Dutzend und einigen hundert Stück, bei Großserien auch darüber. Sie muss groß genug sein, um die Streuung des Prozesses zu zeigen, nicht nur ein einzelnes gut eingestelltes Teil. Bei kritischen Maßen wird deshalb häufig die vorläufige Prozessfähigkeit (Ppk-Index) ermittelt. In der Automobilindustrie ist diese Probefertigung Teil der formalen Freigabe von Teil und Prozess, etwa nach PPAP gemäß AIAG oder als Produktionsprozess- und Produktfreigabe (PPF) nach VDA Band 2.

Erst die Nullserie zeigt die tatsächliche Schwindung und den Verzug der Spritzgussteile, Grate, Unterschiede zwischen den Kavitäten eines Mehrfachwerkzeugs, realistische Montagezeiten und Probleme, die an handgefertigten Prototypen nicht auftreten. Es ist die letzte Phase, in der sich Fehler vergleichsweise günstig beheben lassen.

Wann es sinnvoll ist

Planen Sie eine Nullserie immer ein, wenn auf neuen Werkzeugen oder einer neuen Linie produziert wird, wenn ein neuer Lieferant Fertigung oder Montage übernimmt und wenn ein Fehler in der Serie hohe Kosten verursachen würde (Reklamationen, Nacharbeit an Tausenden Teilen, Rückruf). Typischerweise folgt sie auf die Bemusterung und Freigabe eines neuen Spritzgusswerkzeugs und geht der ersten großen Lieferung an den Abnehmer oder der Markteinführung voraus.

Teile aus der Nullserie eignen sich auch für Zertifizierungsprüfungen, weil das Prüfinstitut dann ein Produkt testet, das mit dem Serienprodukt identisch ist. Bei einfachen Teilen aus einem bewährten Verfahren, etwa spanend gefertigten Teilen nach einer geänderten Zeichnung, reicht in der Regel eine Erstmusterprüfung.

Worauf Sie achten sollten

Ein häufiger Fehler ist es, die Nullserie mit provisorischen Teilen, einem nicht fertig eingearbeiteten Werkzeug oder von Hand nachgearbeiteten Teilen zu fertigen und sie für abgesichert zu erklären. Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ, und die Probleme zeigen sich erst in der Serie. Bestehen Sie darauf, dass sie mit Serienwerkzeugen, aus Serienmaterial und unter Serienbedingungen (Taktzeit, Bedienpersonal, Schichtbetrieb) entsteht und nach Prüfplan kontrolliert wird.

Vereinbaren Sie mit dem Lieferanten vorab die Stückzahl, wer die Nullserie bezahlt und was mit den Teilen geschieht (Lieferung an den Kunden, Prüfungen, Verschrottung), außerdem die Kriterien für die Serienfreigabe und wer diese Freigabe erteilt. Dokumentieren Sie alle Befunde und übernehmen Sie Korrekturen an Konstruktion oder Prozess unter einem neuen Revisionsstand in die Fertigungsunterlagen, sonst wiederholen sich die Probleme in der Serie.

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