Proof of Concept
Frühe Überprüfung, ob das technische Kernprinzip eines neuen Produkts tatsächlich funktioniert. Klärt die Machbarkeit vor der Detailentwicklung.
Was ist ein Proof of Concept?
Ein Proof of Concept (kurz PoC, auf Deutsch Machbarkeitsnachweis oder Konzeptnachweis) ist die frühe Überprüfung, ob die zentrale Idee eines neuen Produkts oder einer technischen Lösung tatsächlich funktioniert. Er klärt, ob die Lösung überhaupt realisierbar ist, nicht, wie das Produkt aussehen oder was es in Serie kosten wird. Ergebnis ist ein einfaches Versuchsmuster, ein Laboraufbau, eine Berechnung oder Simulation und vor allem eine klare Aussage: Das Prinzip funktioniert, funktioniert nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen.
Ein PoC konzentriert sich auf eines oder wenige kritische Risiken des Projekts. Typisch sind physikalische Fragen (bringt der Mechanismus die nötige Kraft auf, bleibt die Temperatur im geforderten Bereich, erfasst der Sensor das Messsignal), die Herstellbarkeit eines Schlüsselteils mit dem gewählten Verfahren oder das Zusammenspiel von Mechanik, Elektronik und Software. Alles andere wird bewusst vereinfacht: Aussehen, endgültiger Werkstoff, Bediensicherheit und Kosten. Ein PoC ist deshalb oft ein provisorischer Aufbau aus 3D-gedruckten Teilen, Zukaufkomponenten und Entwicklungselektronik.
In der Produktentwicklung steht der PoC am Anfang, nach einer ersten Studie und vor den Funktionsprototypen. Auf der Skala des Technology Readiness Level (TRL) entspricht er meist Stufe 3, also dem experimentellen Nachweis der Kernfunktion. Vom Funktionsprototyp unterscheidet er sich im Umfang (er prüft nur das kritische Prinzip, nicht das ganze Produkt), vom MVP im Ziel: Ein MVP klärt, ob Kunden das Produkt wollen, ein PoC, ob es sich technisch umsetzen lässt.
Der Aufwand ist gering, typischerweise einige Tage bis wenige Wochen. Sein Wert: Er stoppt ein Projekt oder richtet es neu aus, bevor Geld in Detailkonstruktion, Werkzeuge und Zertifizierung fließt.
Wann es sinnvoll ist
Ein Proof of Concept ist sinnvoll, wenn das Projekt auf einer Annahme beruht, die noch niemand überprüft hat: ein neuer Mechanismus, eine ungewöhnliche Werkstoffkombination, ein Sensor in einer Umgebung, für die er nicht ausgelegt ist, oder ein Fertigungsverfahren, mit dem selbst der Lieferant keine Erfahrung hat. Typischerweise brauchen ihn Start-ups vor Investorengesprächen, Antragsteller von Fördermitteln, die die Machbarkeit nachweisen müssen, und interne Innovationsprojekte, bei denen die Geschäftsleitung über weitere Entwicklungsinvestitionen entscheidet.
Bei Produkten, die eine bewährte Lösung nur abwandeln (andere Größe, neues Gehäuse, Änderung eines bestehenden Teils), ist ein eigener PoC meist überflüssig, und es geht direkt zum Funktionsprototyp oder zur nächsten Design-Iteration.
Worauf Sie achten sollten
Der häufigste Fehler ist eine unklare Aufgabenstellung. Halten Sie vor dem Start schriftlich fest, welche Hypothese der PoC prüft, woran der Erfolg gemessen wird (zum Beispiel Mindestkraft, Genauigkeit, Laufzeit oder Energieverbrauch) und unter welchen Bedingungen getestet wird. Ohne messbares Kriterium lässt sich das Ergebnis leicht nach Wunsch auslegen, und das Projekt baut auf unsicherem Fundament weiter.
Das zweite Risiko: einen funktionierenden PoC für ein fast fertiges Produkt zu halten. Ein Labormuster beweist nicht, dass die Lösung in Serie herstellbar, zuverlässig, sicher und bezahlbar ist, und auch nicht, dass sie eine Zertifizierung besteht. Der umgekehrte Fehler ist, einen PoC in Aussehen und Konstruktion bis ins Detail auszuarbeiten, obwohl er nur eine Frage beantworten soll.
Vergeben Sie den PoC an einen externen Dienstleister, vereinbaren Sie vorab Umfang und Ergebnis (Bericht, Messdaten, CAD-Modell) und regeln Sie, wem das entstehende Know-how und das geistige Eigentum gehören. Schützen Sie vertrauliche Informationen mit einer Geheimhaltungsvereinbarung (NDA).
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